
Tief verbuddelt unterm Schnee,
So dass man’s kaum noch sehen kann,
Friert selbst ein dickbepelztes Reh
Und wohnt der liebe Weihnachtsmann.
Doch dieses Jahr – wer konnt‘ es ahnen?
Es passt so gar nicht in den Kram –
Zieht eine Krankheit ihre Bahnen
Und sie legt „Father Christmas“ lahm.
Statt Hohoho gibt’s Aspirin,
das Hirn erschlafft im Fieber.
Statt Schlittenfahrt Echinazin,
dem Weihnachtsmann wär’s lieber,
er könnt‘ sich in die Kälte schwingen,
durch die dunklen Nächte fliegen
und der Welt Geschenke bringen
statt hier krank im Bett zu liegen.
Decke drüber, rauf auf’s Laken,
Wärmflasche und heißen Tee,
die rote Mütze bleibt am Haken,
der Weihnachtsmann beklagt sein Weh:
„Warum passiert mir das grad nun?
Das ganze Jahr lang ging nix schief,
vorher gab’s weniger zu tun,
doch jetzt wo’s ernst wird, kommt der Schnief.“
Der Blick geht permanent zur Uhr,
im Hirn tummeln sich Sorgen,
Wer bringt all die Geschenke nur?
Denn Weihnachten ist morgen.
Er humpelt matt zum Telefon,
durchbuddelt seine Nummern,
gen Nacht neigt sich der Abend schon,
und viele werden schlummern.
Doch findet sich auf Seite sechs,
in Krakelschrift, doch sauber,
garniert mit einem Tintenklecks,
der Name „Käptn Blaubär“.
Der Weihnachtsmann, er wählt sogleich,
er zittert fast beim Tuten
im Hörer und er flüstert weich:
„Der Zottel soll sich sputen.“
„Hey Käptn Blaubär, bist Du dran?
Hast Du noch morgen abend frei?
Hallo, hier ist der Weihnachtsmann.
Sonst schick mir doch Hein Blöd vorbei.
Denn ich lieg‘ matt und krank im Bett,
und wenn das klappte, wäre’s nett,
wenn Du Dich von der Reling schwingst
und morgen die Geschenke bringst.“
„Jawoll“, sagt Käptn, „das geht klar.
Hein Blöd ist morgen bei Dir da.
Dann fliegt – wer hätte das gedacht?
’ne Ratte durch die heil’ge Nacht.“

Zu Weihnachten habe ich mal tief in der Schatzkiste der eigenen Erinnerungen gewühlt – und bin über dieses Gedicht gestolpert, das ich vor inzwischen 24 Jahren geschrieben habe, das ich auch zu bebildern begonnen hatte mit Kuli und Aquarellfarben, das dann ins Stocken geraten war, weil ich mir einen neuen Schluss ausdenken wollte, um nicht mit Walter Moers in Urheberrechtsfragen über Käptn Blaubär und Hein Blöd diskutieren zu müssen und das dann doch als Kinderbuchprojekt unvollendet geblieben ist. Ein Ding, das sich seit Corona plötzlich zudem gleichzeitig seltsam düster und fast einen Tick prophetisch anfühlte. Als hätten die Macher der Simpsons das Gedicht geschrieben.
Jetzt jedenfalls wünsche ich Euch traumschöne Festtage mit möglichst vielen Menschen, die ihr Euch um Euch wünscht, mit verlockenden Festtagsschmäusen, mit passgenauen Geschenken, so Ihr Euch beschenkt, mit guter Musik, wundervollen Momenten, Glücksglucksen, Augenglitzern im Lichterglanz und alledem. Habt’s hinreißend. Hier bleibt die Rezepteküche diesmal kalt. Dafür sind meine Wünsche umso herzenswärmer. Frohe Weihnachten!
Musik zum Weihnachtsgedicht
Hier nur ein kleiner musikalischer Weihnachtsgruß: „No christmas bells“ von There Will Be Fireworks. Habt’s schönstmöglich!
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Wünsche dir auch ein tolles Weihnachtsfest.
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Fröhliche Weihnachten und ruhige Tage wünsche ich dir ebenfalls 🌲🌸✨
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Lieber Ole, für dich auch ein ganz reizendes und bunt schillerndes Weihnachtsfest ✨🎨🪩🎄✨
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Wunderbar! Das ist ein ganz tolles Gedicht. Ich wuensche Dir ganz herzlich frohe Weihnachten.
Lg Wilma
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Fröhliche Weihnachten, lieber Ole, wünscht Amélie und sagt Danke❣️ für viele Geschichten und Rezepte, für Musiktipps und Bilder❣️✨Hab es gut❣️
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Lieber Ole, das Gedicht zeigt tatsächlich irgendwie prophetische Züge, ich dachte schon dich hat’s wieder heimgesucht. Fröhliche und vor Allem friedliche Weihnachten wünsche ich dir und deinen Lieben
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Prophetisch: tatsächlich, mit etwa 20 Jahren Vorlauf. Wollte immer mal in Kinderbuch draus machen. Als Corona kam, mochte ich plötzlich erstmal nicht mehr.
Mich hat es nicht heimgesucht. Corona im November hat gereicht. 🙂
Ich hoffe, Weihnachten war gut zu Dir! Alles Liebe! Guten Rutsch! Schön, dass es Dich gibt!
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😊
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Grandios, was auch sonst…
Frohe Weihnachten dir und deiner Familie!!! Alles Liebe von Maria
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moin Ole,
Was für ein schönes Gedicht. Bin ganz verzaubert 💝
Dir und deinen Lieben wünsche ich frohe, ruhige, weiße, friedliche, idyllische, behagliche, glückliche, entspannte, besinnliche, leuchtende, himmlische, zauberhafte, wundervolle, harmonische, märchenhafte, kuschelige, engelschöne, kalorienbombige und rentierstarke Weihnachten.
Liebe Grüße, Karin
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Die hattest Du hoffentlich auch?! Ganz lieben, viel zu späten Dank! So tolle Wünsche! Komm gut ins neue Jahr!
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Auch ich wünsche Dir ein schönes Weihnachtsfest, lass Dich reich beschenken..halt die Ohren steif und bleibe gesund😀🎄✨
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Wie lieb! Danke! Es war fein! Sorry für die späte Antwort! Ganz liebe Grüße
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Für neue Weihnachtswünsche ist es noch zu früh/spät, jetzt ist erst mal Ostern durch. Da hats keine Ratten, eher Hasen. Wie das ausging mit einer Ratte, die das sinkende Weihnachtsfest rettet, würde ich schon gerne erfahren, viele Pakete, womöglich mit Süßem… Na, ich seh schwarz!
Aber Blaubeer/bär geht immer.
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