
Jetzt ist schon wieder was passiert. Na gut, also pass auf, das ist jetzt keine von diesen Geschichten, bei denen am Schluss jemand aufwacht und es war alles nur ein Traum, zumal man sich die wenigsten Träume Jahre später noch merken kann. Weil die hier ist so oder so ähnlich passiert. Und hätte Wulnikowski nicht so geschrien, „nimm das!“ und „zack!“, hätte Ada wahrscheinlich diese Geschichte verpasst, wegen der sie – für einen kurzen Moment – Kinder bekommen wollte. Und das nur, um irgendwann Enkel zu haben, denen sie von diesem bizarren Erlebnis erzählen könnte. Weil er aber schrie, und das tat er sonst nicht, war Ada sofort losgestürzt, um zu klingeln und zu hören, was nebenan los war.
„Was zur Hölle, Wulni?“, entfuhr es ihr, als er die Tür öffnete, in einer Joy-Division-Schürze (sowas gibt’s?), komplett übersprenkelt. Zwei Schüsseln in den Händen, in beiden cremige Flüssigkeiten, eine dunkel wie die Tiefsee, die andere hell wie der Schaum über den Wellen. „Warum schreist Du rum? Ist was passiert? Streichst Du Deine Wand?“ Sie besah seine wilden Spritzer. „Und wenn ja, willst Du Dir nicht lieber nen Maler kommen lassen?“
„Das ist keine Farbe, das ist Schokolade“, sagte Wulnikowski ruhig. Mit etwas irrem Grinsen.
„Schokolade?“, frage Ada. Sie suchte nach Worten, lange, emsig im Hirn kramend. Dann fand sie die Frage: „Und was machst Du damit?“
Er stand da, ganz ruhig, ganz mild. Wartete, bis sich die Fassungslosigkeit in Adas Gesicht eingerenkt hatte, zumindest etwas. Und dann sagte er nur: „Pollock.“
Pollock.
Wenn ich sagen müsste – und unter uns, liebe Leser (ich hoffe, Ihr sitzt bei dieser Lektüre in einem halbwegs bequemen Sessel und habt zumindest eine milde Toleranz für Umwege und Umständlichkeiten) –, wenn ich also sagen müsste, wie alles begann, dann müsste ich mindestens drei Dinge erklären: Erstens, wie Wulnikowski zu Schokolade kam und was für Verrücktheiten ihn plötzlich durchzuckten; zweitens, wie Ada zu Wulnikowski kam (eine ungleich kompliziertere Geschichte, die zu erzählen mir das Herz warm macht und zugleich das Hirn verknotet); und drittens – was mit allerhöchster Vorsicht zu genießen ist – wie Jackson Pollock jemals Eingang in diese ohnehin schon zerlumpte Erzählung fand.
Ausschweifungen über den Beginn der Geschichte
Ein bisschen hatte die Geschichte von Bukowski, wenn der lattenstramm einen Zahnarzttermin vergaß, stattdessen drei Tage wach blieb, sich in einer Porno-Videothek übergab und auf dem Bordstein einschlief, wo ihm eine Erbsensuppendosenbekleberin auf dem Weg zur Frühschicht das Leben rettete. Die Geschichte jedenfalls geschah in Wulnikowskis Küche, die so voller Dunst hing, als hätte jemand einen alten Jazzsong angezündet und den gottverdammten Feuerlöscher nicht in Gang bekommen. Man weiß ja nie so genau bei solchen Männern mittleren Alters, die in Altbauwohnungen wohnen, wo noch Staub aus dem 19. Jahrhundert liegt und die Kaffeemaschine einen Namen trägt („Figöök“). Wulnikowski – der in seinen besten Momenten Philosoph und mehr Heidegger als Heizungsableser war und nur deshalb nicht lehrte, weil er den Ton von Kreide auf Tafel nicht ausstehen konnte – führte Ada also in seine Küche, denn „Pollock“ ließ sich besser zeigen als erklären.
Wulnikowski war an diesem Tag definitiv nicht ganz frisch, vielmehr gut durch. Die Art von Mann, die beim Bäcker zehn Minuten über das Streuselmuster auf einem Apfelkuchen doziert und dann doch eine Brezel nimmt – mit Butter. Einer, dessen Frisur sich mit zunehmender Wetterfühligkeit an die Topographie von Long Island anpasste, wo Jackson Pollock einst im Suff sich selbst und sein letztes Blech zerlegte – mit dem grünen Oldsmobile gegen einen Baum gekracht. Eine bittere, rasante letzte Pinselgeste ins Holz. Ada zündete sich hektisch eine Zigarette an. Rauch umschwebte sie, verschleiernd wie die Lügen, die Menschen sich erzählen, wenn sie glauben, es gehe um Liebe. Und nun also stand Wulnikowski da in seiner Küche, Kater im Kopf, eine Frau am Kühlschrank.

Der Traum von Jackson Pollock
„Weißt Du, ich habe heute Nacht von Jackson Pollock geträumt“, sagte er. „Der Maler, splitternackt, nachts auf einer Wiese am Lagerfeuer, eine Flasche Whiskey zwischen den Oberschenkeln eingeklemmt und ein halbes Schwein auf dem Grill. Niemand wusste, woher das Schwein kam. Irgendwer schrie dann: ,Das ist Max Ernst, der Kerl, der behauptet hat, er habe Drip Paintings erfunden und nicht Du, Jackson.’ Und plötzlich verwandelte die Wiese sich in Penny Guggenheims Wohnzimmer und das Lagerfeuer in ihren Kamin, und Jackson Pollock pisste einfach hinein. Wortlos. Und dann zeigte die Meute aufs Schwein, das angeblich Max Ernst war, und schrie: ,Grillt es! Grillt es!’ Und ich habe zu Jackson Pollock gesagt: ,Du säufst wie ein verdammter Öltanker, wie ein uralter Heizkessel im Februar. Prügelst dich, wirfst deine Leinwände auf den Boden, als wären sie Ex-Liebhaberinnen. Und tanzt! Mit dem Pinsel. Mit der Farbe. Mit dem ganzen dreckigen Leben.’ Und dann bin ich aufgewacht. Keine Ahnung, warum ich das zu ihm gesagt habe.“
Ratlose Blicke aus Adas geheimnisvollen Augen.
„Weißt Du, Ada, so wie Ahab auf dem Meer seinen weißen Wal suchte, so jagte Jackson Pollock das Unsagbare auf Leinwand. Sein Pinsel war kein Pinsel, sondern eine Lanze, sein Atelier ein Deck, über dem ein Sturm der Farbe tobte. Er tropfte! Er schleuderte! Er verneinte die Linie, den Rand, den Rahmen! Denn was ist eine Form, wenn nicht der Käfig für das Ungezähmte?“
„Mag sein.“
„Klar, in seinem Oberstübchen flacke hat’s mitunter geflackert wie eine Straßenlaterne nach drei Wintern ohne Wartung. Er hat gesoffen in menschenleeren Spelunken, wo gefühlt alle Hausverbot hatten – nur die Kakerlaken nicht. Hat geflucht und Dinge verbrannt, weil’s zu sehr nach Ordnung roch. Hat das Gros seines Lebens nur im Dickdurstdunst vorbeitorkeln erlebt, und hat getobt, als hätte ihm jemand die Augenlider weggeschnitten. Er hat Farbe auf Leinwände gepfeffert, mal wild, mal bedacht getropft, bis er nicht nur besoffen, sondern auch noch high vom Lösungsmittel in den Farben war. Und sein Tropfen war, glaube ich, eine Form des Loslassens. Das Gegenteil des Linienziehens, das Gegenteil sogar – möchte man fast sagen – von Kontrolle selbst. Tropfen ist die Kunst des Unfalls, der mit Würde auftritt. Und Jackson Pollock war ihr Hohepriester, ihr taumelnder Prophet, ihr Dionysos in Arbeitskleidung – mit Halbglatze. Er warf nicht, um zu zerstören, sondern um zu erschaffen. Er schleuderte, nicht wie ein Wütender, sondern wie ein Suchender. Er hat’s vielleicht selbst nicht immer verstanden, aber er hat’s gemacht, verstehst du?! Ich meine – WURF! Nicht Dekor. Nicht Dessert. Explosion! Von schamanischer Kunst inspiriert – und am Ende vor allem irre geworden, weil er die ganze Aufmerksamkeit gar nicht wollte, sie ihm zusetzte, er darunter wie ein räudiger Hund gelitten hat – ehe er, dessen Bilder selbst seine Antwort auf den Geschwindigkeitsrausch der Moderne, mit viel zu hoher Geschwindigkeit und viel zu berauscht mit dem Oldsmobile gegen einen Baum gerast ist. Sein letzter Kontrollverlust war tödlich.“

„Drip happens.“
Ada, die sich eigentlich nur nach dem Rechten sehen wollte, lehnte lässig am Kühlschrank, eine Zigarette zwischen den Fingern, als wäre sie aus Rauch gemacht, aus Rauch und einer Erinnerung, die einem nie ganz gehört. Die Frau, von der man besser nichts weiß, aber trotzdem alles wissen will. Sie – mit den lakritzschwarzen Augen und dem Namen, der sich wie ein Gedicht anfühlte, das man nie aussprechen darf, weil es sonst zu Staub zerfällt. Und jetzt stand sie also bei ihm in der Küche, in seinem schiefen Altbau mit dem Rauchmelder, der immer wieder „Batterie leer“ piepte, und sagte dann, trockener als ein Toastbrot in der Wüste:
„Drip happens.“
Pause.
„Und jetzt hast Du gedacht, was Jackson Pollock kann, kannst Du auch – nur mit Schokolade?“
„Äh… ja.“
Nächste Pause.
„Es ist ein Brownie“, fuhr er fort, „aber mehr als das. Es ist ein Aufschrei aus Kakao! Eine Predigt aus Butter! Ein Gemälde, das man schmeckt, eine Sünde, die man bestenfalls heiß serviert. Und ich hab’ gedacht, mit dunkler Schokolade – bitterer als manch politische Wirklichkeit zuletzt – und mit heller pfeffere ich etwas, das am Ende vielleicht an ,Lavender Mist’ erinnert. Und wenn nicht, dann doch zumindest gut schmeckt.“
Noch eine Pause.
Pollock, der unbekannte preisgekrönte Bäcker
„Mehr noch. Weißt Du, Pollock selbst hat liebend gern und viel gebacken. Hat diverse Preise mit seinen Apfelkuchen abgesahnt beim jährlichen Volksfest in East Hampton, hat wunderbares Brot aus dem Ofen geholt, Anspruchsvolles. Hat seine Frau Lee Krasner mal in einer Doku erzählt. Und hatte darin eine Verbindung zu seiner Mutter Stella. Und es hat ihn in all der Sauferei einige Jahre lang geerdet! Neben Muschelsuchen am Fluss, neben Angeln – und Gartenarbeit.“
„Gartenarbeit? Backen? Ich hab ein anderes Bild von Pollock, dem manisch versoffenen Rebellen, dem radikalen Genie.“
„Aber macht ihn das nicht umso vielschichtiger, wenn solch ein scheinbar dauerbetrunkener Irrer Trost im Backen und in der Natur findet? Und ist ihm dann mit einem Gebäck huldigen nicht das Passendste, was man tun kann?“
Ada sah auf die tropfenübersplatterte Küchen-Arbeitsplatte, die tropfenübersäte, wild bespritzte Brownieform und sagte: „Na, dann lass uns Dein Kunstwerk mal probieren.“ Und ein wenig fassungslos von so viel Irrem war sie – aber auch hungrig. Und froh, dass sie diese zugerichtete Küche nicht wieder saubermachen musste.
„Kunst kochen“ – das genial andere Kochbuch
Ein wenig hat Wulnikowski hier indes geflunkert, dass sich die Balken biegen. Denn mitnichten hatte er geträumt von Pollock, hatte vielmehr in Felicity Souters grandiosem Buch „Kunst kochen“ (Werbung ohne Auftrag) geblättert, dem wirklich kreativsten, cleversten und besondersten Kochbuch seit ganz, ganz Langem. Mindestens seit Jahren. Hingerissen von der bahnbrechend anderen Kreativität darin. Wie die Autorin grandiose Werke aus der Kunstgeschichte nimmt, um sie kulinarisch nachzuahmen und in immens kreative köstliche Kulinarik zu verwandeln. Die Farben und Formen von Lee Krasners berühmtem „Vernal Yellow“ etwa überträgt Souter in einen wirklich köstlichen Ofensalat aus roter Bete, Kürbis, Halloumi und Chicorée mit Tahini-Joghurt-Dressing und Granatapfelsirup. Salvator Dalís tropfende Uhren aus „Die Beständigkeit der Erinnerung“ würdigt Felicity Souter mit – Tusch! – Ziegenkäse-Eis! Ein verschneiter Heuhaufen von Claude Monet verwandelt sich in einen puderzuckerbestäubten Frühstücksmuffin. Aus Markus Pernharts majestätischem „Großglockner im Schnee“ werden Baiserhäubchen mit einem Sockel aus Schokolade, salzigen Pekannüssen und Rosmarin. Olafur Eliassons gigantisches leuchtend gelb-oranges „Weather project“ wird zum Kurkuma-Hummus mit Sesam-Algen-Crackern. Aus dem orange-roten Stuhllehnengeflecht von George Segals „Human by rattan“ wird ein geflochtenes Brot mit getrockneten Tomaten und Feta. Andy Warhols legendären Campbell’s-Suppendosenstapel alias „100 Cans“ verwandeln sich hier in eine Galette mit Tomaten, Mozzarella und karamellisierten Zwiebeln.
Und es gibt noch so viel mehr Überraschendes. Kann man schlecht beschreiben, muss man in der Genialität gesehen haben – und probiert. Denn: Was immer man probiert, es ist köstlich. Und nebenbei lernt man noch enorm viel über Künstler und deren kulinarischen Bezüge.
Und genießt. Diese sagenhaft saftigen, unverschämt schokoladigen und doch nicht zu süßen Brownies etwa. Die hätte auch Pollock verschlungen.

Zutaten für die Schokoladen-Brownies à la Jackson Pollock
Für die Brownies
100 Gramm Zartbitterschokolade (70%)
185 Gramm Butter
3 Eier
275 Gramm Puderzucker
1 Esslöffel Olivenöl
Meersalz oder Fleur de Sel
85 Gramm Weizenmehl (Type 405)
40 Gramm Backkakao oder ungesüßtes Kakaopulver
Für die „Drip painting“-Deko
50 Gramm Milchschokolade (mindestens)
50 Gramm weiße Schokolade (mindestens)

So werden die Schokoladen-Brownies à la Jackson Pollock zubereitet
Lass Gott zusehen, wie Du den Ofen auf 180° C vorheizt. Oder zünde irgendetwas an. Aber besser nicht im Haus und auch nichts, was Dir nicht gehört.
Eine rechteckige oder quadratische Brownie-Backform (20 cm) exaltisch mit Backpapier auslegen. Am besten so, dass das Papier über den Rand hinausragt. Macht weniger Sauerei, wenn man die mächtig leckeren Teile herausholt.
Falls man Pollock ist: Trinken.
Nun geht es darum, Aggregatzustände zu verändern! Dampf! Schmelzen! Dafür die dunkle Schokolade in kleine Stücke brechen und in eine hitzebeständige Schüssel purzeln lassen – und die auf einen kleinen Topf aufsetzen, in dem – vielleicht zu einem Drittel gefüllt – Wasser simmert. In jedem Fall sollte mindestens drei Zentimeter unterhalb des Schüsselbodens der Hochwasserpegel erreicht sein.


Auch die Butter wird dahinschmelzen im Wasserdampfbad, sich cremig einschmiegen, während Du rührst, und eins werden mit der schokoladigen Masse.
Während die Schokobuttercreme etwas abkühlt, wuchte die Küchenmaschine oder eine Rührschüssel mit Mixer aus dem Schrank, um darin Zucker und Eier schaumig zu schlagen in wilden Rührbesenkreisen und -schlagen, bis das Ganze sich in eine feste luftig-cremige Masse verwandelt hat.


Nun füge die abgekühlte Schokoladenbuttercreme, das Olivenöl und eine kräftige Prise Salz hinzu und lasse den Wirbelwandler sein Werk tun. Mehl und Kakaopulver hineinsieben und mit einem Löffel vorsichtig unterheben.

Nun folgt der Ausguss! Rein mit dem Teig in die vorbereitete Form – und dann in die Gluthitze des Ofens, wo er fortan 25 Minuten lang schmoren soll, bis er gestockt ist. Zur Garprobe an der Form rütteln. Falls die Mitte noch wobbelt, ein paar weitere Minuten im Ofen schmurgeln lassen. Die fertig gegarte schokoladige Teigmasse, dampfend wie ein heißer Kuss nach drei Gläsern Rotwein und zu wenig Schlaf, noch in der Form auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.
Nun kommt es erneut zum Bruch – der Schokoladen. Falls Du noch zwei weitere hitzebeständige Schüsseln hast, greife sie. Sonst nimm kleine dünnwandige Töpfe (oder wasch‘ schonmal die eine aus, in der Du gerade schonmal Schokoladen-Schmelzofen gespielt hast). In eine brichst Du die Milchschokolade, in die andere die weiße. Wiederum, wie schon zu Beginn, die Töpfe über (nicht in!) brodelndem Wasser dahinschmelzen lassen, während Du rührst.
Die Brownies mithilfe des Papiers aus der Form heben. Dann mit einem Löffel beide Schokoladensorten abwechselnd ganz im Jackson-Pollock-Style über den Kuchen träufeln, fegen, fetzen, werfen, spritzen, in absichtlichen oder zufälligen Mustern. Sei wild, sei frei, sei Du und staune, welche Formen und Muster sich plötzlich bilden.

Nun kannst Du Dir noch einen einschenken oder zwei, oder vielleicht lässt Du es auch einfach. Jedenfalls bleiben noch etwa 20 Minuten, bis der wilde Schrei aus Schokolade auf der Teigmasse abgekühlt ist und fest geworden ist. Und dann, ja dann kannst Du das Messer wetzen, ansetzen und der schokoladigen Kunst ins Mark schneiden, sie zerteilen – in vielleicht zwölf gleich große Stücke. Und dann genießen. Vielleicht mit ein wenig frisch geschlagener Sahne.
Musik zum kunstvollen Backwerk
Neben der Kunst, dem Muschelsuchen und Angeln, neben Lee Krasner, dem Alkohol liebte Jackson Pollock auch die Musik. Jazz vor allem. Und das „Museum of Modern Art“ in New York hat vor einigen Jahren einen Sampler herausgebracht mit ausgewählten Stücken von Platten, die Pollock einst gesammelt, gehört, geliebt hat. Und er, der inmitten des Ruhms ein Einsamer geblieben und wachsend geworden war, liebte etwa – passend – „Solitude“ von Duke Ellington.
Auch die Liebe spielte im nur 44 Frühlinge währenden Leben Jackson Pollocks eine kraftvolle Rolle. Und so passt hier auch „When a woman loves a man“ von Billie Holiday.
Vielleicht passend zum berauscht-rasenden Ende, als Kontrast, auch Louis Armstrongs Version von „St. James‘ Infirmary“. Wie überhaupt die eher stillen und geordneten Jazz-Songs fast im Gegensatz stehen mögen zur überbordenden Wildheit der Kunstwerke Jackson Pollocks.
Zu Aktuellerem: The Midwife Crisis haben sich vor etwa vier Jahren der Apotheke des genialischen Malers gewidmet: „Jackson Pollock’s Pharmacy“.
Und dann ist da noch diese Band, die es eher mit der Wildheit des Malers hat und sich nach ihm benannt hat: „The Jackson Pollock“ – hier mit der punkigen Hit-Hymne „The Unclogger“.
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Yeah! Action-Cooking à la Pollock! Hier vermischen sich die Künste, Kunst ist eine Zutat und aus Augenweidengemälden berühmter Maler werden Gerichte. Bestimmt funktioniert das auch mit Musik. Da wird schnell mal aus Tschaikowskys Blumenwalzer ein mit Veilchen und Rosen garniertes Zitronensorbet, aus Schuberts „Lied der Forelle“ natürlich nicht unbedingt was mit Dorsch oder Scholle.
Das Rezept klingt köstlich, wenigstens kann ich hierbei die Zutaten geschmacklich verorten, was bei anderen Rezepten schwierig ist, weil vieles davon mir unbekannt und exotisch ist.
Lieben Frühlingsgruss von Amélie
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Tausendundeinen Dank, meine Liebe! Und probier‘ es gern mal aus. Das Backen und insbesondere das Action-Painten am Ende macht wirklich Spaß.
Mit Musik kann ich mir das auch super vorstellen, wobei man da eventuell schon synästhetisch begabter sein muss, um Klang so wahrzunehmen und verwandeln, dass man Musik und wie sie als Essen aussieht und schmeckt überindividuell nachvollziehbar machen kann. Grundsätzlich liebe ich ja Musik – und die Verbindung zum Essen zelebriere ich auch gern. 🙂
Mal sehen, ob mir da was einfällt. Coole Idee!
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Wie gerne würde ich das mal ausprobieren. Mir fehlt etwas in meiner Küche, das zum vergnügten Erschaffen kulinarischer Gaumenkitzler unabdingbar ist: Platz! Kochen und Backen ist bei mir Tetris-to-go. Das funktioniert so ähnlich wie Pokémon-to-go, macht aber bestimmt viel weniger Spaß.
Ist denn die synaptische Verquickung von Gemälden mit Gerichten nicht auch Synästhesie? Wie die bunten Buchstaben und Zahlen? Wie die Musik, die beim Anblick mancher Kunst orkanartig die Rübe sintflutet? Wie der Geschmack von Blaubeeren, Vanille und Baisersahne beim Hören der blauen Donau von Strauß? Schlüge sich die Sahne im Dreivierteltaktwellen?
Höre ich Chopins Nocturne in cis-moll , schmecke ich Mandarinen, außen grün, innen orange, bittersweet.
Und auch beim Betrachten von Gemälden, Farben, schmecke ich oft etwas dabei, daher liest sich Dein Beitrag so faszinierend.
Lieben Dank!
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Den Geschmack von Blaubeeren, Vanille und Baisersahne auf der Zunge beim Hören der blauen Donau von Strauß? Ich staune fasziniert.
So sehr ich ein Faible für Sinne, Sinnlichkeit und Ästhetik habe, Synästhesie erlebe ich tatsächlich nur bedingt. Manche Musik löst in mir durchaus Kopfkino aus – aber am Gaumen höchstens dann, wenn es erinnernd passiert, weil ich bestimmtes erlebt und gegessen habe, während bestimmte Stücke oder Songs/Alben liefen.
Und ein Stück weit ist das kunstvolle Verquicken von Aromen und Kompositionen mit Kunstwerken sicher auch synästhetisch, wobei ich es fast noch eher als kreativ assoziierend erlebe. Synästhetische Wahrnehmungen passieren ja eher unter- bis unbewusst, zumindest aber nicht gesteuert.
Ist ja auch wumpe. Total spannendes Feld! Chopins cis-Moll-Nocturne in ihrem tonalen Schwanken, scheu, unsicher tastend wie eine Katze, die sich von einem Knall oder Schrei aufgeschreckt durchs Unterholz bis an den Bach abseits der Häuser schleicht, seinen Biegungen und seinem Sprudeln noch etwas vorsichtig folgend… und doch in alledem poetisch wunderschön. Laut Spotify ist zumindest bei meiner liebsten Einspielung von Arthur Rubinstein die Des-Dur-Nocturne ja mit meilenweitem Abstand die beliebteste, während mir die erste in b-Moll und die in f-Moll ja die liebsten sind.
Und Platzmangel: Könntest Du nicht einfach die Brownieform auf einem Tisch in einem Nebenzimmer drapieren und da – vielleicht etwas vorsichtig, um nicht renovieren zu müssen, tropfen und klecksen?
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Experimentelle Stauraumbeschaffungsmassnahmen probierte ich schon viele. 34 qm Wohnwabe, ein Tortenstückchen in einer etwas derangierten 60-er-Jahre-Hochhausschönheit, keine einzige gerade Wand, alles spitz- oder wahlweise weitwinklig…da wird es schwierig mit Arbeitsplatz. Nicht einmal ein richtiger Tisch passt in die Wohnwabe. Wenn ich für meine liebste Freundin Ruth Kotopoulo psito, also griechisches Zitronenhuhn im Ofen mit Rosmarinröstkartoffeln und Feldsalat mit Walnüssen koche, brauche ich drei Stunden Vorbereitungszeit, weil jeder Handgriff genau überlegt sein muss, damit ich keine Stauprobleme mit den Utensilien und Kochabfolgen bekomme. Es macht einfach nicht so richtig Spaß, dauernd jonglieren zu müssen.
Seit 13 Jahren weiß ich, dass ich Synästetin bin. Wurde auch mal drauf getestet, dabei kam das raus. Meine Synapsen machen kuriose Sachen mit mir und das mit den bunten Zahlen und Buchstaben im Kopf stimmt auch. Es ist gut, dass ich weiß, was es ist. Nix Schlimmes zum Glück, ich empfinde es eher bereichernd.
Fein hast Du Chopins cis-nocturno beschrieben – genauso fühle ich es auch. Ich kann dir nicht einmal sagen, welches mein liebstes wäre, denn ich liebe sie alle gleichmäßig …
Hab es gut und viele liebe Grüße
Amélie🌱
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